Zusammenfassung
Ein Dach in Eigenleistung zu decken spart je nach Dachgröße 3.500 bis 17.000 Euro, kostet aber 60 bis 120 Arbeitsstunden. Dieser Ratgeber führt durch Rechtslage, Material, Werkzeug und die zehn Arbeitsschritte und vergleicht die Eigenleistung ehrlich mit dem Dachdecker.
Zusammenfassung
Ein Dach in Eigenleistung zu decken spart je nach Dachgröße 3.500 bis 17.000 Euro, kostet aber 60 bis 120 Arbeitsstunden. Dieser Ratgeber führt durch Rechtslage, Material, Werkzeug und die zehn Arbeitsschritte und vergleicht die Eigenleistung ehrlich mit dem Dachdecker.
Kann man ein Dach selbst decken? Grundsätzlich ja, und die Ersparnis ist beträchtlich. Je nach Dachgröße bleiben zwischen 3.000 und 10.000 Euro im Portemonnaie, wenn Du die Flächeneindeckung selbst übernimmst statt sie komplett zu vergeben.
Der Preis dafür ist Zeit. Ein Satteldach mit 160 Quadratmetern kostet Dich in Eigenleistung 80 bis 120 Arbeitsstunden, verteilt auf mehrere Wochenenden. Dazu kommen Fragen, die viele erst mitten im Projekt stellen: Darf ich das überhaupt? Was sagt meine Versicherung? Und ab wann rechnet sich der Fachbetrieb doch?
Diese Anleitung führt Dich durch das komplette Projekt. Sie beginnt mit den Voraussetzungen und der Rechtslage, zeigt danach Material, Werkzeug und die zehn Arbeitsschritte im Detail und endet mit einem ehrlichen Kostenvergleich zwischen Eigenleistung und Dachdecker.
Dachdecken selber machen: Was Du dafür können musst
Das hier ist kein Einsteigerprojekt. Wer noch nie längere Zeit auf einer Leiter gearbeitet hat, sollte nicht mit dem eigenen Hausdach anfangen. Diese fünf Punkte solltest Du vorher ehrlich abhaken:
- Handwerkliche Vorerfahrung: Idealerweise hast Du schon eine Holzkonstruktion gebaut oder eine größere Renovierung selbst durchgezogen.
- Schwindelfreiheit: Du arbeitest über Stunden in sechs bis zehn Metern Höhe, oft in ungünstiger Körperhaltung.
- Körperliche Belastbarkeit: Ein Ziegel wiegt drei bis fünf Kilo. Bei 1.500 Stück bewegst Du mehrere Tonnen von Hand.
- Zeit am Stück: Mindestens drei bis vier Wochenenden, dazu Puffer für Schlechtwetter.
- Mindestens eine zweite Person: Allein auf dem Dach zu arbeiten ist lebensgefährlich und versicherungsrechtlich heikel.
Wenn alle fünf Punkte passen, ist das Projekt realistisch machbar.
Darf man sein Dach selber decken? Die rechtliche Lage
Diese Frage kommt so häufig, dass sie eine eigene Antwort verdient. Kurz: Ja, Du darfst. Die Dacheindeckung am eigenen Wohnhaus ist keine Tätigkeit, die einem Meisterbetrieb vorbehalten ist. Es gibt aber vier Punkte, an denen es Grenzen gibt.
Baurecht und Genehmigungspflicht
Eine reine Neueindeckung ohne Änderung von Form, Neigung oder Material ist in den meisten Bundesländern verfahrensfrei. Sobald Du die Dachform änderst, die Neigung anpasst, Gauben einbaust oder die Dämmung erneuerst, kann eine Genehmigung nötig werden. In Sanierungs- und Denkmalschutzgebieten gelten zusätzlich Vorgaben zu Farbe, Material und Ziegelform. Ein Anruf beim örtlichen Bauamt klärt das in fünf Minuten.
Gebäudeversicherung
Melde die Eigenleistung vor Baubeginn Deiner Wohngebäudeversicherung. Entsteht während der offenen Bauphase ein Wasserschaden und die Versicherung wusste nichts von den Arbeiten, kann sie die Leistung kürzen. Manche Versicherer verlangen für die Bauzeit eine gesonderte Bauleistungsversicherung.
Bauhelferversicherung
Wer Freunde oder Verwandte mit aufs Dach nimmt, muss diese bei der Berufsgenossenschaft Bau anmelden. Das gilt auch für unentgeltliche Hilfe. Die Anmeldung ist Pflicht, kostet pauschal etwa 100 Euro und schützt im Ernstfall vor sehr hohen Forderungen.
Arbeitssicherheit
Ab drei Metern Absturzhöhe ist ein Gerüst oder ein vergleichbarer Absturzschutz vorgeschrieben. Bei Arbeiten an der Traufe kommen Fanggerüste oder Seitenschutz dazu. Diese Regeln gelten auch für private Bauherren, sobald fremde Personen mitarbeiten.
Energetische Anforderungen
Wird bei der Neueindeckung mehr als zehn Prozent der Dachfläche erneuert, verlangt das Gebäudeenergiegesetz in vielen Fällen eine Mindestdämmung. Prüfe das vorher, sonst musst Du im schlechtesten Fall zweimal aufs Dach. Welche Varianten es gibt und was sie kosten, steht im Ratgeber zur Dachdämmung von innen.
Der richtige Zeitpunkt
Die beste Zeit für Dacharbeiten liegt zwischen Mai und September. Vermeide Temperaturen über 30 Grad, weil sich Material ausdehnt und die Arbeit auf dem Dach unerträglich wird. Unter fünf Grad werden Unterspannbahnen spröde. Regen, hohe Luftfeuchte, starker Wind und Nebel sind Abbruchkriterien, keine Erschwernisse.
Prüfe die Wettervorhersage über mindestens fünf Tage und plane zwei bis drei Puffertage ein. Ein offenes Dach im Regen kostet mehr, als der ganze Zeitgewinn wert war.
Sicherheitsausrüstung und Werkzeug: die Kostenübersicht
An dieser Stelle zu sparen ist die teuerste Entscheidung des Projekts. Die folgende Liste zeigt, womit Du rechnen musst.
| Ausrüstung oder Werkzeug | Zweck | Kosten Kauf oder Miete |
|---|---|---|
| Dachgerüst oder gesicherte Dachleiter | Absturzschutz, gesetzlich gefordert | 150 bis 300 € pro Woche Miete |
| Auffangsystem mit Gurt (PSAgA) | persönliche Schutzausrüstung | 150 bis 300 € |
| Sicherheitshelm mit Kinnriemen | Kopfschutz | 30 bis 70 € |
| Rutschfeste Sicherheitsschuhe | Trittsicherheit | 60 bis 120 € |
| Arbeitshandschuhe und Schutzbrille | Hand- und Augenschutz | 25 bis 60 € |
| Wetterfeste Arbeitskleidung | Witterungsschutz | 100 bis 200 € |
| Dachdeckerhammer und Blechschere | Grundwerkzeug | 45 bis 90 € |
| Akkuschrauber mit Bits | Befestigung | 80 bis 150 € |
| Wasserwaage, Zollstock, Kreideleine | Messen und Anreißen | 45 bis 90 € |
| Nagelpistole (optional) | beschleunigt die Verlegung | 150 bis 300 € |
| Mindestausstattung gesamt | 700 bis 1.300 € |
Materialbedarf richtig berechnen
Eine saubere Mengenermittlung verhindert Nachbestellungen, die den Zeitplan sprengen. Rechne bei allen Positionen zehn Prozent Verschnitt dazu.
| Material | Bedarf pro m² Dachfläche | Materialkosten |
|---|---|---|
| Standard-Tonziegel | 10 bis 14 Stück | 15 bis 25 € pro m² |
| Betondachsteine | 8 bis 10 Stück | 12 bis 20 € pro m² |
| Schieferplatten | 14 bis 18 Stück | 40 bis 80 € pro m² |
| Markenziegel, etwa Frankfurter Pfanne | 10 bis 12 Stück | 22 bis 35 € pro m² |
| Unterspannbahn inklusive Überlappung | 1,15 m² | 2 bis 5 € pro m² |
| Konterlatten 4 x 6 cm | rund 2 lfm | 1 bis 2 € pro m² |
| Dachlatten 3 x 5 cm | rund 3,5 lfm | 2 bis 4 € pro m² |
| Nägel, Schrauben, Sturmklammern | rund 50 g | 1 bis 2 € pro m² |
| Firstziegel | 2,5 Stück pro lfm First | 5 bis 8 € pro Stück |
| Material gesamt, Standardeindeckung | 25 bis 45 € pro m² |
Dach selber decken: die Anleitung Schritt für Schritt
Halte Dich an die Reihenfolge. Wer Schritte vorzieht, arbeitet später doppelt.
Schritt 1: Altes Dachmaterial abnehmen
Beginne am First und arbeite Dich nach unten vor. Die Firstziegel zuerst, dann reihenweise abwärts. Lege eine Rutsche oder einen Bauaufzug bereit, damit das Altmaterial nicht über den Rand geworfen wird. Der Container sollte vor Arbeitsbeginn stehen. Zeitaufwand bei 100 Quadratmetern: 10 bis 14 Stunden.
Schritt 2: Sparren prüfen und Fläche reinigen
Jetzt siehst Du die Konstruktion zum ersten Mal komplett. Prüfe alle Hölzer auf Faulstellen und Insektenbefall, tausche beschädigte Abschnitte aus. Intakte Hölzer behandelst Du vorbeugend, dieser Zugang kommt so schnell nicht wieder. Welches Mittel sich für tragende Außenhölzer eignet, steht im Ratgeber zu Holzschutz außen. Zeitaufwand: 3 bis 5 Stunden.
Schritt 3: Unterspannbahn verlegen
Horizontal von der Traufe zum First, jede Bahn mindestens 10 Zentimeter überlappend. Zieh die Bahn leicht durch, damit sie später nicht durchhängt und Wasser sammelt. Eine straff verlegte Bahn leitet Feuchtigkeit zuverlässig zur Traufe ab. Zeitaufwand: 4 bis 6 Stunden.
Schritt 4: Konterlatten setzen
Die Konterlatten mit 4 x 6 Zentimeter Querschnitt kommen senkrecht auf die Sparren. Sie erzeugen den Lüftungsspalt über der Unterspannbahn. Ohne diesen Spalt staut sich Feuchtigkeit unter der Eindeckung. Zeitaufwand: 5 bis 7 Stunden.
Schritt 5: Dachlatten montieren
Jetzt kommen die waagerechten Latten. Der Lattenabstand richtet sich exakt nach dem Ziegeltyp und liegt meist zwischen 28 und 36 Zentimetern. Nimm die Herstellerangabe, nicht den Erfahrungswert vom Nachbarn. Kontrolliere jede fünfte Latte mit der Wasserwaage. Zeitaufwand: 6 bis 9 Stunden.
Schritt 6: Dachziegel verlegen
Von unten nach oben, von einer Seite zur anderen. Versetze die vertikalen Stoßfugen in jeder zweiten Reihe, sodass ein Schachbrettmuster entsteht. Das erhöht die Regensicherheit deutlich. Dieser Schritt ist der längste im ganzen Projekt. Zeitaufwand: 20 bis 30 Stunden.
Schritt 7: Sturmklammern anbringen
In windexponierten Lagen sind Sturmklammern Pflicht, in allen anderen dringend zu empfehlen. Welche Ziegel geklammert werden müssen, gibt die Windlastzone vor. Zeitaufwand: 4 bis 6 Stunden.
Schritt 8: Firstlüftung und Firstziegel
Der Lüftungsstreifen kommt mittig auf die Firstlatte, darauf die Firstziegel mit rund fünf Zentimeter Überlappung. Achte darauf, dass der Lüftungsquerschnitt frei bleibt. Zeitaufwand: 3 bis 5 Stunden.
Schritt 9: Anschlüsse abdichten
Kamin, Gauben, Wandanschlüsse und Lüftungsdurchführungen. Hier werden Bleche zugeschnitten, gekantet und eingearbeitet. Das ist Spenglerarbeit und der Punkt, an dem die meisten Eigenleistungen scheitern. Was dabei technisch verlangt wird, beschreibt der Ratgeber zum Spengler am Dach. Zeitaufwand: 4 bis 8 Stunden.
Schritt 10: Endkontrolle
Sichtprüfung von unten und von der Seite, Fluchten mit der Wasserwaage kontrollieren, alle Anschlüsse nachfassen. Die ehrlichste Prüfung erfolgt beim ersten kräftigen Regen: Geh auf den Dachboden und leuchte alle Sparrenfelder ab. Zeitaufwand: 2 bis 4 Stunden.
| Phase | Arbeitsschritt | Zeitaufwand bei 100 m² |
|---|---|---|
| 1 | Altmaterial abnehmen | 10 bis 14 Std |
| 2 | Sparren prüfen und reinigen | 3 bis 5 Std |
| 3 | Unterspannbahn verlegen | 4 bis 6 Std |
| 4 | Konterlatten setzen | 5 bis 7 Std |
| 5 | Dachlatten montieren | 6 bis 9 Std |
| 6 | Ziegel verlegen | 20 bis 30 Std |
| 7 | Sturmklammern anbringen | 4 bis 6 Std |
| 8 | Firstlüftung und Firstziegel | 3 bis 5 Std |
| 9 | Anschlüsse abdichten | 4 bis 8 Std |
| 10 | Endkontrolle und Reinigung | 2 bis 4 Std |
| Gesamt Satteldach 100 m² | 60 bis 95 Std |
Satteldach neu eindecken oder komplexere Dachform?
Die Zeitangaben oben gelten für ein einfaches Satteldach ohne Gauben. Bei einem Walmdach kommen vier Grate dazu, die jeweils zugeschnitten und mit Gratziegeln geschlossen werden müssen. Rechne dafür 25 bis 40 Prozent Aufschlag. Jede Gaube kostet zusätzlich sechs bis zehn Stunden für die Anschlussarbeiten. Ab drei Gauben schrumpft die Ersparnis gegenüber dem Fachbetrieb so stark, dass sich die Eigenleistung kaum noch lohnt.
Stalldach oder Gartenhaus als Einstieg
Wer noch nie ein Dach gedeckt hat, sollte nicht mit dem Wohnhaus beginnen. Ein Stalldach, ein Carport oder ein Gartenhaus sind die besseren Übungsobjekte: geringere Höhe, einfache Geometrie, keine Dämmebene und deutlich weniger Ziegel. Beim Stalldach reicht oft eine einfache Eindeckung mit Betondachsteinen oder Trapezblech ohne Unterspannbahn, sofern der Raum darunter nicht beheizt wird. Die Grundprinzipien bleiben identisch, das Risiko ist ein Bruchteil.
Dach neu decken lassen: was der Fachbetrieb kostet
Damit Du Deine Eigenleistung überhaupt bewerten kannst, brauchst Du die Vergleichszahl. Ein Dachdecker berechnet die Neueindeckung inklusive Material, Gerüst und Entsorgung nach folgenden Richtwerten.
| Leistung | Preis pro m² Dachfläche |
|---|---|
| Alte Eindeckung abnehmen und entsorgen | 15 bis 30 € |
| Neue Lattung inklusive Unterspannbahn | 20 bis 35 € |
| Eindeckung mit Betondachsteinen | 45 bis 70 € |
| Eindeckung mit Tonziegeln | 55 bis 90 € |
| Eindeckung mit Schiefer | 120 bis 200 € |
| Gerüststellung | 8 bis 15 € |
| Aufsparrendämmung (optional) | 100 bis 180 € |
| Komplette Neueindeckung, Standardausführung | 90 bis 150 € |
Für ein Satteldach mit 120 Quadratmetern Dachfläche landest Du damit bei rund 11.000 bis 18.000 Euro, wenn Du alles vergibst. Eine nach Eindeckungsart aufgeschlüsselte Kalkulation liefert der Ratgeber zu den Kosten beim Dach neu decken. Wer eine Aufsparrendämmung mitmacht, liegt deutlich darüber, kann dafür aber Fördermittel beantragen.
Der ehrliche Kostenvergleich
| Kriterium | Eigenleistung | Fachbetrieb |
|---|---|---|
| Kosten bei 120 m² | 3.500 bis 6.500 € | 11.000 bis 18.000 € |
| Zeitaufwand | 70 bis 115 Std | 3 bis 5 Arbeitstage |
| Werkzeug und Sicherheit | 700 bis 1.300 € zusätzlich | im Preis enthalten |
| Gerüst | 600 bis 1.200 € Miete | im Preis enthalten |
| Gewährleistung | keine | 5 Jahre nach BGB |
| Fehlerrisiko | hoch ohne Erfahrung | gering |
| Versicherungsaufwand | Anmeldung und Bauhelferversicherung nötig | entfällt |
Drei Rechenbeispiele
- Kleines Satteldach, 80 m²: Material 2.400 Euro, Gerüstmiete 500 Euro, Werkzeug und Sicherheit 900 Euro, Entsorgung 300 Euro. Summe rund 4.100 Euro. Ein Fachbetrieb hätte 7.500 bis 12.000 Euro berechnet. Ersparnis: etwa 3.500 bis 8.000 Euro bei 50 bis 75 Arbeitsstunden.
- Mittleres Satteldach, 120 m²: Material 3.600 Euro, Gerüst 700 Euro, Werkzeug 900 Euro, Entsorgung 400 Euro. Summe rund 5.600 Euro gegenüber 11.000 bis 18.000 Euro. Ersparnis: 5.400 bis 12.400 Euro bei 70 bis 115 Stunden.
- Großes Satteldach, 160 m²: Material 4.800 Euro, Gerüst 900 Euro, Werkzeug 900 Euro, Entsorgung 500 Euro. Summe rund 7.100 Euro gegenüber 14.500 bis 24.000 Euro. Ersparnis: 7.400 bis 17.000 Euro bei 95 bis 150 Stunden.
Rechne die eigenen Stunden ruhig einmal gegen. Bei 120 Quadratmetern und einer mittleren Ersparnis von 8.000 Euro verdienst Du rechnerisch rund 85 Euro pro Arbeitsstunde. Das ist ein starkes Argument, solange nichts schiefgeht.
Die Mischlösung: oft die klügste Variante
Viele Bauherren fahren am besten, wenn sie die Flächeneindeckung selbst machen und die kritischen Punkte vergeben. Anschlüsse an Kamin und Gauben, Kehlen und die Traufausbildung sind genau die Stellen, an denen Undichtigkeiten entstehen. Ein Fachbetrieb übernimmt diese Teilleistung meist für 1.500 bis 3.000 Euro. Über anyhelpnow findest Du Dachdecker aus Deiner Region, die auch Teilaufträge annehmen.
Nur ausbessern oder komplett neu decken?
Nicht jedes Dach muss abgeräumt werden. Diese Übersicht hilft bei der Einordnung.
| Zustand | Empfehlung | Grobe Kosten in Eigenleistung |
|---|---|---|
| Einzelne lose oder gerissene Ziegel | punktuell reparieren, siehe Dachziegel austauschen | 50 bis 200 € |
| Mehrere Schadstellen, Eindeckung über 30 Jahre | komplett neu decken | 3.500 bis 6.000 € bei 100 m² |
| Sparren hängen sichtbar durch | Statiker und Fachbetrieb | nicht für Eigenleistung geeignet |
| Feuchtigkeit im Dachboden, Ziegel intakt | nur Unterspannbahn erneuern | 800 bis 1.500 € bei 100 m² |
| Eindeckung über 50 Jahre, mehrere Schäden | neu decken inklusive Lattung | 4.500 bis 7.500 € bei 100 m² |
Als Faustregel gilt: Sind mehr als 20 Prozent der Ziegel beschädigt oder ist die Eindeckung älter als 40 Jahre, lohnt die Komplettmaßnahme. Eine punktuelle Reparatur verlängert die Lebensdauer dann nur um wenige Jahre.
Wartung nach der Eindeckung
| Intervall | Maßnahme | Aufwand |
|---|---|---|
| nach jedem starken Sturm | Sichtprüfung auf verschobene Ziegel | 15 Min |
| halbjährlich | Dachrinnen reinigen, First kontrollieren | 1 bis 2 Std |
| jährlich | gründliche Inspektion, am besten im Frühjahr | 2 bis 3 Std |
| bei Wassereintritt | Ziegel oder Unterspannbahn ersetzen | variabel |
| bei Moosbewuchs | vorsichtig reinigen, niemals mit Hochdruck, siehe Dachreinigung | 3 bis 5 Std |
| alle 5 Jahre | Überprüfung durch den Fachbetrieb | 200 bis 400 € |
Wenn die alte Dachrinne demontiert wurde, ist direkt nach dem Lattenaufbau der richtige Moment, sie zu erneuern. Gefälle, Halterabstände und Materialwahl beschreibt die Anleitung zum Regenrinne montieren.
Häufige Fragen zum Dach selber decken
Darf man sein Dach selber decken?
Ja. Die Dacheindeckung am eigenen Haus ist nicht meisterpflichtig. Du musst allerdings die Bauordnung Deines Bundeslandes beachten, die Eigenleistung Deiner Gebäudeversicherung melden und Helfer bei der Berufsgenossenschaft Bau anmelden. In Denkmalschutz- und Sanierungsgebieten gelten zusätzliche Vorgaben zu Material und Farbe.
Wie lange dauert es, ein Dach zu decken?
Für ein Satteldach mit 100 Quadratmetern brauchst Du als erfahrener Heimwerker 60 bis 95 Stunden, verteilt auf drei bis vier Wochenenden. Ein professionelles Team schafft dieselbe Fläche in drei bis fünf Arbeitstagen. Anfänger sollten den anderthalb- bis zweifachen Zeitaufwand einplanen.
Was kostet es, ein Dach selber zu decken?
Für 100 Quadratmeter liegen die reinen Materialkosten bei 2.500 bis 4.500 Euro. Dazu kommen Gerüstmiete von 500 bis 900 Euro, Werkzeug und Sicherheitsausrüstung mit 700 bis 1.300 Euro sowie Entsorgungskosten von 300 bis 500 Euro.
Was kostet es, das Dach neu decken zu lassen?
Ein Fachbetrieb berechnet für die komplette Neueindeckung inklusive Abbruch, Lattung, Gerüst und Entsorgung 90 bis 150 Euro pro Quadratmeter. Bei 120 Quadratmetern sind das rund 11.000 bis 18.000 Euro.
Wie decke ich mein Dach selber ab?
Beginne am First und arbeite reihenweise nach unten. Nimm zuerst die Firstziegel ab, dann die Flächenziegel. Stelle den Container vorher bereit und nutze einen Bauaufzug oder eine Schuttrutsche. Wirf niemals Material vom Dach.
Kann ich Eigenleistung und Fachbetrieb kombinieren?
Ja, und oft ist das die wirtschaftlichste Lösung. Übernimm die Flächeneindeckung selbst und vergib die Anschlüsse an Kamin, Gauben und Kehlen. Diese Teilleistung kostet meist 1.500 bis 3.000 Euro und deckt genau die Bereiche ab, in denen Fehler teuer werden.
Brauche ich eine Versicherung für die Eigenleistung?
Melde die Arbeiten Deiner Wohngebäudeversicherung, bevor Du beginnst. Helfer musst Du bei der Berufsgenossenschaft Bau anmelden, auch wenn sie unentgeltlich arbeiten. Die Anmeldung kostet pauschal rund 100 Euro.
Lohnt sich das Ganze finanziell wirklich?
In den meisten Fällen ja. Selbst nach Abzug von Werkzeug, Gerüst und Sicherheitsausrüstung bleiben mehrere tausend Euro. Bei komplexen Dachformen mit Walm oder mehreren Gauben schrumpft die Ersparnis allerdings deutlich.
Fazit
Ein Dach in Eigenleistung zu decken ist anspruchsvoll, aber machbar, wenn Vorerfahrung, Zeit und mindestens eine helfende Person vorhanden sind. Die Ersparnis liegt je nach Dachgröße zwischen 3.500 und 17.000 Euro.
Drei Dinge entscheiden über Erfolg oder Ärger: die Absturzsicherung, der exakte Lattenabstand nach Herstellerangabe und die Ausführung der Anschlüsse. Wer bei den ersten beiden Punkten sauber arbeitet und den dritten vergibt, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem dichten Dach.
Solltest Du bei der Einschätzung Deines Dachzustands unsicher sein, hole Dir vorab eine Bewertung. Über anyhelpnow findest Du Dachdecker für Beratung, Teilaufträge oder die komplette Eindeckung.
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