Zusammenfassung
Die Wandaufbauten für F30, F60 und F90 mit Plattenlagen, Wanddicken, Profilen und Dämmung nach aktuellen Herstellerangaben, dazu Gebäudeklassen, Brandschutzdecken, Stahlträgerverkleidung, Schottung von Durchführungen, Nachweise und eine Kostenübersicht pro Quadratmeter (Stand Oktober 2026).
Zusammenfassung
Die Wandaufbauten für F30, F60 und F90 mit Plattenlagen, Wanddicken, Profilen und Dämmung nach aktuellen Herstellerangaben, dazu Gebäudeklassen, Brandschutzdecken, Stahlträgerverkleidung, Schottung von Durchführungen, Nachweise und eine Kostenübersicht pro Quadratmeter (Stand Oktober 2026).
Von außen sehen eine F30- und eine F90-Wand gleich aus: verspachtelt, gestrichen, unauffällig. Der Unterschied steckt in den Platten, die später niemand mehr sieht. Bei den Systemen der großen Hersteller reicht für F30 eine Lage Feuerschutzplatte je Wandseite. Für F90 sind es zwei Lagen à 12,5 Millimeter, die Wand ist dann je nach Profil 100 bis 150 Millimeter dick. Preislich liegen zwischen beiden Klassen 2026 etwa 45 bis 75 Euro pro Quadratmeter.
Weit verbreitet ist die Annahme, F90 brauche drei Plattenlagen je Seite. Das ist überholt. Knauf und Rigips weisen F90-A bereits mit zwei Lagen Feuerschutzplatten je Seite nach. Drei Lagen sind eine Sonderlösung, etwa für höhere Wände oder mehr Schallschutz.
Wer den falschen Aufbau wählt, hat im besten Fall Geld verschenkt. Im schlechteren Fall fehlt der Systemnachweis, das Bauamt verweigert die Abnahme, und im Schadensfall stellt die Versicherung unbequeme Fragen.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Klasse wann gefordert ist, wie F30-, F60- und F90-Wände aufgebaut sind und was Brandschutzdecken, Schottungen und Nachweise ausmachen. Dazu gibt es eine Kostenübersicht mit Preisen von 2026. Stand der Recherche ist Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- F30: eine Lage Feuerschutzplatte (GKF) 12,5 mm je Seite, Wanddicke ab etwa 75 mm.
- F90: zwei Lagen GKF 12,5 mm je Seite, Wanddicke 100 bis 150 mm. Eine dritte Lage ist nicht nötig, sondern eine Option für Schallschutz und hohe Wände.
- F60: Sonderfall, der über Bauartgenehmigungen geregelt ist, meist mit einer dickeren oder besonders dichten Plattenlage je Seite.
- Welche Klasse gilt, entscheidet die Landesbauordnung über die Gebäudeklasse, nicht der Bauherr und nicht der Handwerker.
- Kosten 2026: F30 rund 55 bis 95 Euro, F90 rund 100 bis 170 Euro pro Quadratmeter inklusive Montage. Die Baupreise für Wohngebäude lagen im Mai 2026 um 5,0 Prozent über dem Vorjahr.
- Nur im System bauen: Platten, Profile, Schrauben, Dämmung und Schotts müssen zum Verwendbarkeitsnachweis passen. Das ausführende Fachunternehmen bestätigt das mit einer Übereinstimmungserklärung.
- Jede Durchführung braucht ein zugelassenes Schott. Das kostet je nach Art 50 bis 350 Euro pro Stück.
Brandschutz im Trockenbau: Was F30, F60 und F90 bedeuten
Die Zahl gibt an, wie viele Minuten ein Bauteil im Normbrand nach DIN 4102 standhält. Im Prüfofen steigt die Temperatur nach der Einheits-Temperaturzeitkurve auf rund 840 Grad nach 30 Minuten, rund 945 Grad nach 60 Minuten und gut 1.000 Grad nach 90 Minuten.
Bei nichttragenden Wänden gelten dabei zwei Kriterien. Die Wand muss raumabschließend bleiben, also darf weder Feuer noch Rauch hindurch (E). Und sie darf auf der abgewandten Seite nicht zu heiß werden: im Mittel höchstens 140 Kelvin Temperaturanstieg, an keiner Stelle mehr als 180 Kelvin (I). Nach der europäischen Norm DIN EN 13501-2 heißen die Klassen deshalb EI 30, EI 60 und EI 90.
| Klasse (DIN 4102) | Europäisch (nichttragend) | Bauaufsichtliche Benennung | Schutzdauer |
|---|---|---|---|
| F30 | EI 30 | feuerhemmend | 30 Minuten |
| F60 | EI 60 | hochfeuerhemmend | 60 Minuten |
| F90 | EI 90 | feuerbeständig | 90 Minuten |
Hinter der Zahl steht oft ein Zusatz. F 90-A bedeutet, dass alle wesentlichen Teile aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Das ist bei Metallständerwänden mit Gipsplatten der Normalfall. Bei F 90-AB sind nur die wesentlichen Teile nichtbrennbar, bei F 90-B ist auch Brennbares enthalten.
Warum Gips so gut vor Feuer schützt
Gips besteht zu rund einem Fünftel aus chemisch gebundenem Kristallwasser. Im Brandfall wird dieses Wasser frei, verdampft und hält die feuerabgewandte Plattenseite lange bei etwa 100 Grad. Die Platte schützt also, solange noch Wasser im Kern steckt. Feuerschutzplatten (GKF) enthalten zusätzlich Glasfasern, die den Gipskern zusammenhalten, wenn er schwindet und reißt.
Warum der Aufwand sich lohnt
Elektrizität ist laut der Brandursachenstatistik des IFS mit etwa 30 Prozent die häufigste Ursache der zwischen 2015 und 2024 untersuchten Brände. Das IFS wertet jedes Jahr rund 2.000 Brandursachenermittlungen aus. Die Zahl der Brandtoten ist in Deutschland von 766 im Jahr 1980 auf 343 im Jahr 2019 gesunken, liegt aber weiter bei mehr als 300 pro Jahr. Ein Teil dieses Rückgangs geht auf den baulichen Brandschutz zurück: Wände und Decken, die ein Feuer lange genug auf einen Raum begrenzen.
Welche Klasse ist vorgeschrieben? Gebäudeklassen im Überblick
Welche Klasse wo gefordert ist, regeln die Landesbauordnungen, die sich an der Musterbauordnung (MBO) orientieren. Trennwände zwischen Nutzungseinheiten übernehmen nach § 29 MBO die Feuerwiderstandsfähigkeit der tragenden Bauteile des jeweiligen Geschosses, mindestens aber F30. Die Gebäudeklasse legt fest, wie hoch diese Anforderung ausfällt.
| Gebäudeklasse | Typische Gebäude | Trennwand zwischen Nutzungseinheiten |
|---|---|---|
| GK 1 und 2 | Ein- und Zweifamilienhäuser, bis 7 m Höhe | bei Wohngebäuden keine Trennwandanforderung nach § 29 MBO |
| GK 3 | sonstige Gebäude bis 7 m Höhe, etwa kleine Mehrfamilienhäuser | mindestens feuerhemmend (F30) |
| GK 4 | Gebäude bis 13 m Höhe, Nutzungseinheiten bis 400 m² | hochfeuerhemmend (F60) |
| GK 5 | alle übrigen Gebäude bis zur Hochhausgrenze von 22 m | feuerbeständig (F90) |
| Sonderbauten | Kliniken, Schulen, Versammlungsstätten, Hochhäuser | nach Sonderbauvorschriften und Brandschutzkonzept |
Drei Besonderheiten kommen dazu:
- Trennwände zu Räumen mit Explosions- oder erhöhter Brandgefahr müssen immer feuerbeständig (F90) sein.
- Im obersten Dachgeschoss gelten für tragende Bauteile keine Brandschutzanforderungen, deshalb reicht für die Trennwände dort in der Regel F30.
- Die Tabelle zeigt die Musterbauordnung. Die Landesbauordnungen weichen im Detail ab. Verbindlich ist das Brandschutzkonzept oder die Auskunft der Bauaufsicht.
Trennwand oder Brandwand?
Eine F90-Trennwand ist keine Brandwand. Brandwände trennen Gebäude oder Brandabschnitte und müssen zusätzlich eine mechanische Beanspruchung aushalten (Kennzeichnung F 90-A + mB beziehungsweise EI 90-M). Im Trockenbau gibt es dafür eigene Systeme mit Stahlblecheinlage. Knauf bietet zum Beispiel mit W131 eine nichttragende Brandwand an, die zwei oder drei Lagen Gipsplatten und eine Stahlblecheinlage je Seite hat. Mit W135 gibt es eine Variante F 60-A + mB für den Einsatz anstelle einer Brandwand. Eine normale F90-Trockenbauwand darf nicht als Brandwand eingesetzt werden.
Vergleich der drei Klassen auf einen Blick
| Merkmal | F30 | F60 | F90 |
|---|---|---|---|
| Beplankung je Wandseite | 1 x 12,5 mm GKF (alternativ 2 x 12,5 mm Standardplatte) | 1 x mind. 15 mm nichtbrennbare Gipsplatte oder 1 x 12,5 mm Gipsfaserplatte, nur nach Bauartgenehmigung | 2 x 12,5 mm GKF (alternativ 2 x 15 mm) |
| Plattendicke je Seite gesamt | 12,5 mm | 12,5 bis 15 mm | 25 mm |
| Ständerprofil | CW 50 bis CW 100 | nach Genehmigung | CW 50 bis CW 100, bei hohen Wänden CW 125 oder CW 150 |
| Wanddicke | etwa 75 bis 125 mm | je nach System | 100 bis 150 mm (CW 50 bis CW 100) |
| Gewicht | rund 24 kg/m² | je nach System | rund 45 kg/m² |
| Schalldämmung Rw,R (mit Mineralwolle) | etwa 43 bis 49 dB | je nach System | etwa 54 bis 57 dB |
| Gesamtkosten mit Montage 2026 | 55 bis 95 € pro m² | 80 bis 130 € pro m² | 100 bis 170 € pro m² |
| Typische Anwendung | Wohnungstrennwand GK 3, Büro | GK 4 | GK 5, Treppenraumwände, Kliniken, Schulen |
Die Gewichte und Schalldämmwerte stammen aus dem Knauf-Detailblatt W11.de (Ausgabe 2015) für die Systeme W111 und W112. Es handelt sich um Rechenwerte ohne Nebenwege. Aktuelle Werte stehen in den Herstellerunterlagen.
Der Materialanteil an den Gesamtkosten steigt mit der Klasse. Bei F30 liegt er nach Marktangaben bei etwa 35 bis 40 Prozent, bei F90 bei etwa 50 bis 55 Prozent. Der Preisunterschied zwischen F30 und F90 beträgt rund 45 bis 75 Euro pro Quadratmeter. Bei 100 Quadratmetern Wandfläche sind das 4.500 bis 7.500 Euro. Deshalb lohnt es sich, vor der Bestellung zu klären, welche Klasse wirklich gefordert ist.
Welche Preise 2026 gelten und warum sie steigen
Die Spannen in diesem Ratgeber stammen aus Preisübersichten und Marktangaben von 2026. Sie mischen Netto- und Bruttoangaben, für Privatkunden kommt Mehrwertsteuer hinzu. Auffällig ist die Streuung: Für F90 nennen Quellen je nach Region, Plattenart und Wandhöhe zwischen 80 und 170 Euro pro Quadratmeter. In Großstädten oder bei Gipsfaserplatten werden bis etwa 220 Euro aufgerufen.
Der Trend zeigt nach oben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude im Mai 2026 um 5,0 Prozent gegenüber Mai 2025. Ausbauarbeiten verteuerten sich um 5,1 Prozent, Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden sogar um 5,6 Prozent. Stundensätze für Trockenbauer und Brandschutzfachbetriebe liegen 2026 je nach Quelle bei etwa 45 bis 85 Euro netto.
Beim Material ist die Feuerschutzplatte selbst nicht der größte Posten. Eine Platte GKF 12,5 mm kostet im Baustoffhandel aktuell rund 4 bis 5 Euro pro Quadratmeter (Online-Preise, brutto, ohne Versand). Profile liegen bei Baumarktpreisen von etwa 2 bis 4 Euro pro laufendem Meter. Ein Quadratmeter F90-Wand braucht nach Knauf-Angaben im Schnitt etwa 4 Quadratmeter Platten, rund 2 Meter CW- und 0,7 Meter UW-Profil sowie etwa 44 Schrauben und 0,8 Kilogramm Spachtelmasse. Den Rest der Kosten machen Arbeitszeit, Dämmung, Dichtungen, Verschnitt und Gemeinkosten aus.
F30-Wand im Trockenbau: Aufbau
Die F30-Wand ist der Standardfall im Wohnungsbau. 30 Minuten reichen, damit Bewohner das Gebäude verlassen können und die Feuerwehr eintrifft.
Die Schichtenfolge
| Schicht | Aufbau |
|---|---|
| Raumseite A | 1 x GKF 12,5 mm |
| Ständerwerk | CW 50 bis CW 100, Achsabstand 62,5 cm |
| Hohlraum | Dämmung nicht zwingend, bei Einbau nichtbrennbare Mineralwolle (mind. 40 mm) |
| Raumseite B | 1 x GKF 12,5 mm |
Die Gesamtdicke beträgt 75 Millimeter mit CW 50 und 100 Millimeter mit CW 75. Alternativ nutzt Knauf im System W112 für F30 auch zwei Lagen Standardplatte je Seite.
Die Ausführung Schritt für Schritt
- UW-Profile setzen: Verzinkte Randprofile an Boden und Decke, auf der Rückseite mit Dichtungsband oder Trennwandkitt. Befestigt werden sie nach Herstellertabelle, typischerweise im Abstand von höchstens einem Meter. Bei Brandschutzwänden über 5 Meter Höhe verlangt Knauf höchstens 500 Millimeter.
- CW-Profile einstellen: Achsabstand 62,5 Zentimeter, passend zur Plattenbreite von 125 Zentimeter. Bei zu erwartender Deckendurchbiegung ab 10 Millimetern wird der Deckenanschluss gleitend ausgeführt. Die Platten dürfen dann nicht mit dem Deckenprofil verschraubt werden.
- Dämmung einlegen (falls vorgesehen): Mineralwolle der Baustoffklasse A mit Schmelzpunkt von mindestens 1.000 Grad, lückenlos zwischen den Ständern. Ohne Dämmung müssen Stirnstöße der Platten mit Profilen hinterlegt werden.
- GKF-Platten aufschrauben: Bei einlagiger Beplankung höchstens 25 Zentimeter Schraubabstand. Die Köpfe müssen plan versenkt sein, dürfen den Karton aber nicht durchstoßen.
- Fugen schließen: Fugen verspachteln, die untere Anschlussfuge bei Brandschutzanforderung mit Spachtelmaterial schließen. Acryl allein genügt nur, wenn es um reinen Schallschutz geht.
Wann F30 ausreicht
- Wohnungstrennwände in Gebäuden bis 7 Meter Höhe mit mehr als zwei Wohnungen (GK 3)
- Trennwände im obersten Dachgeschoss
- Innenwände in Einfamilienhäusern, soweit eine Anforderung besteht
- Bürotrennwände in niedrigen Gebäuden
- Abstellräume ohne erhöhte Brandlast
F60-Wand im Trockenbau: ein Sonderfall
F60 taucht in den Standardtabellen der Hersteller seltener auf als F30 und F90. Der Grund liegt auf der Hand: Weil F90 schon mit zwei Lagen GKF gelingt, springen viele Planer direkt von F30 auf F90. Knauf führt F60 bei W112 nur auf Anfrage.
Eigene Bauartgenehmigungen regeln F60 trotzdem. Für Gipsfaserplatten von fermacell gilt die allgemeine Bauartgenehmigung Z-19.32-2157, die das Deutsche Institut für Bautechnik im November 2025 neu erteilt hat und die bis November 2030 gilt. Sie verlangt auf jeder Wandseite mindestens eine Lage Gipsfaserplatte mit 12,5 Millimetern. Für Knauf-Gipsplatten besteht mit Z-19.32-2156 eine Genehmigung, die je Wandseite mindestens 15 Millimeter dicke, nichtbrennbare Gipsplatten verlangt.
Für die Praxis heißt das: F60 lässt sich oft mit einer einzigen, dickeren Lage je Seite erreichen, aber nur mit den Platten, Schrauben und Profilen, die in der Genehmigung stehen. Ob sich der Weg lohnt oder ob die F90-Standardwand mit zwei Lagen GKF einfacher zu beschaffen und abzunehmen ist, klärst Du am besten mit dem Fachbetrieb.
Gefordert ist F60 typischerweise in der Gebäudeklasse 4, also bei Gebäuden bis 13 Metern Höhe.
F90-Trockenbauwand: der vollständige Schichtaufbau
Hier liegt der Schwerpunkt, weil F90 die anspruchsvollste reguläre Klasse ist und die meisten Ausführungsfehler produziert.
Die Schichtenfolge
| Schicht | Aufbau | Dicke |
|---|---|---|
| Raumseite A, Lage 2 (sichtbar) | GKF 12,5 mm, Fugen versetzt | 12,5 mm |
| Raumseite A, Lage 1 | GKF 12,5 mm, direkt auf den Ständer | 12,5 mm |
| Ständerwerk | CW 50, CW 75 oder CW 100, Achsabstand 62,5 cm | 50 bis 100 mm |
| Hohlraum | Mineralwolle nichtbrennbar, falls vorgesehen | je nach System |
| Raumseite B, Lage 1 | GKF 12,5 mm, direkt auf den Ständer | 12,5 mm |
| Raumseite B, Lage 2 (sichtbar) | GKF 12,5 mm, Fugen versetzt | 12,5 mm |
| Gesamt | 100 bis 150 mm |
Rigips beschreibt denselben Aufbau: Für F 90-A genügen zwei Lagen Feuerschutzplatte RF 12,5 mm je Wandseite, die Wanddicke liegt dabei zwischen 100 und 150 Millimetern. Für Knauf-Systeme (W112) ergeben sich 100 Millimeter mit CW 50, 125 Millimeter mit CW 75 und 150 Millimeter mit CW 100.
Alternativen zum Standardaufbau:
- Zwei Lagen à 15 Millimeter GKF statt 12,5 Millimeter: dickere Platten, etwa 160 Millimeter Wanddicke mit CW 100.
- Gipsfaserplatten (zum Beispiel fermacell): Auch hier gibt es F90-A-Systeme mit zweilagiger Beplankung, jeweils mit eigener Systemzulassung.
- Dreilagiger Aufbau (3 x 12,5 mm): bei Knauf System W113, F90-tauglich, aber vor allem gewählt, wenn die Wand besonders hoch oder schalldämmend sein soll. Knauf nennt für W113 mit Brandschutz Wandhöhen bis 9 Meter, für das zweilagige W112 bis 7 Meter (Detailblatt 2015).
- Doppelständerwand (Knauf W115, Rigips Doppelständer): F90 mit zwei Lagen je Seite, Wanddicke ab etwa 155 Millimetern, Schalldämmwerte von 64 bis 71 dB.
Brandschutz F90 Gipskarton Aufbau: die Plattenwahl
Nicht jede Platte eignet sich für jeden Zweck. Maßgeblich ist die Systemzulassung, nicht der Eindruck im Baumarkt.
| Plattentyp | Dicke | Brandverhalten | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Standard-Gipskarton (GKB) | 12,5 mm | A2-s1,d0 | kein Feuerschutz, nur bei ausdrücklich zugelassenen Systemen (z. B. F30 mit zwei Lagen) |
| Feuerschutzplatte (GKF, Typ DF) | 12,5 / 15 / 18 mm | A2-s1,d0 | Standard für F30 und F90 |
| Imprägnierte Feuerschutzplatte (GKFI) | 12,5 / 15 / 18 mm | A2-s1,d0 | gemäßigte Feuchträume mit Brandschutz |
| Hochdichte Platten (z. B. Diamant) | 12,5 / 15 / 18 mm | A2-s1,d0 | höhere Wände, mehr Schallschutz, bessere Befestigungslasten |
| Fireboard (GM-F) | 15 bis 30 mm | A1 | Trägerbekleidungen, Schächte, Wandaufrüstung |
| Gipsfaserplatte | 10 bis 18 mm | je nach Hersteller | Systeme mit eigener Zulassung, z. B. fermacell |
GKF steht für Typ DF nach DIN 18180 und DIN EN 520: erhöhte Dichte (D) und verbesserter Gipskernzusammenhalt bei Hitze (F). Erkennbar sind GKF-Platten meist an einer rötlichen bis rosa Kartonfarbe und einem roten Stempel auf der Rückseite. Standardplatten haben einen hellen Karton, imprägnierte Platten einen grünen. Die Farbe ist allerdings nur ein Indiz: Hochdichte Spezialplatten und Gipsfaserplatten sehen anders aus. Entscheidend ist der Aufdruck mit dem Plattentyp.
Ständerwerk, Achsabstand und Wandhöhe
Der Standard-Achsabstand beträgt 62,5 Zentimeter. Wer den Abstand verkleinert (41,7 oder 31,25 Zentimeter), darf in vielen Systemen höher bauen. Wer ihn vergrößert, um Profile zu sparen, verliert den Nachweis.
Die zulässige Wandhöhe hängt vom Profil, dem Achsabstand und den Platten ab. Bei Brandschutz liegt sie typischerweise zwischen rund 4 und 7 Metern, Rigips nennt für seine EI-90-Systeme bis zu 7,2 Meter. Über 5 Meter Höhe verschärfen sich bei Knauf die Befestigungsabstände der Randprofile auf höchstens 500 Millimeter. Für die Planung gilt immer die aktuelle Tabelle des gewählten Systems.
Dämmung im Wandhohlraum
Eine verbreitete Annahme ist, dass F90 ohne dicke Mineralwolle nicht funktioniert. Bei vielen Systemen ist die Dämmung brandschutztechnisch nicht erforderlich, aber zulässig. So steht es zum Beispiel in den Detailblättern für Knauf W111 bis W113. Sie wird dennoch fast immer eingebaut, wegen des Schallschutzes, und weil sie bei Einbaudosen und Hohlräumen die Brandweiterleitung bremst.
Wenn Dämmung drin ist, muss sie zur Zulassung passen:
- nichtbrennbar (Baustoffklasse A) mit einem Schmelzpunkt von mindestens 1.000 Grad nach DIN 4102-17, also Steinwolle oder entsprechend gekennzeichnete Mineralwolle
- Schaumstoffe wie EPS oder PU sind ausgeschlossen
- für den Schallschutz eine Mineralwolle mit längenbezogenem Strömungswiderstand von mindestens 5 kPa·s/m²
Wo Mineralwolle Teil der Brandschutzlösung ist, etwa beim Einbau von Steckdosen, verlangt Knauf Mindest-Flächengewichte: für F90 mindestens 2,4 kg/m², zum Beispiel 60 Millimeter mit 40 kg/m³.
Fugenversatz bei mehreren Lagen
Durchgehende Fugen sind die Schwachstelle jeder Brandschutzwand. Die Herstellerangaben (Knauf) legen deshalb fest:
- Längskantenstöße einer Lage werden um den Ständerabstand von 625 Millimetern versetzt.
- Die obere Lage wird gegenüber der unteren um etwa 312,5 Millimeter versetzt.
- Stirnkantenstöße (Plattenenden) liegen bei Brandschutz in mehrlagiger Beplankung mindestens 500 Millimeter auseinander, bei einlagiger mindestens 1.000 Millimeter.
- Auch die Stöße der gegenüberliegenden Wandseite werden versetzt.
Bei drei Lagen versetzt Du alle drei Lagen gegeneinander: Lage eins beginnt mit einer vollen Platte, Lage zwei mit einer um ein Drittel gekürzten, Lage drei mit einer um zwei Drittel gekürzten.
Schrauben und Fugen
Die oberste Lage wird bei zweilagiger Beplankung mit höchstens 250 Millimetern Abstand geschraubt (bei 625 Millimeter breiten Platten 200 Millimeter). Die darunterliegende Lage darf bei Knauf weiter auseinander befestigt werden, bis zu 750 Millimeter. Welche Schrauben es sein müssen (Länge, Typ), regelt das System. Wichtig ist außerdem das Spachteln: Auch die Fugen der verdeckten unteren Lagen werden mit Spachtelmasse gefüllt, denn das ist Voraussetzung für Brand- und Schallschutz. Bei Fireboard kommen Fireboard-Spachtel und Glasfaser-Fugendeckstreifen zum Einsatz.
Deckenanschluss und angrenzende Bauteile
Eine Brandschutzwand ist nur so gut wie ihr Anschluss.
- Die Wand muss bis zur Rohdecke geführt werden. Wandkonstruktionen ohne Deckenanschluss erfüllen laut Knauf weder Brand- noch Schallschutzanforderungen.
- Schließt eine Trennwand mit Brandschutzanforderung an eine abgehängte Decke an, muss diese Unterdecke für sich allein mindestens die gleiche Feuerwiderstandsklasse haben wie die Wand.
- Bei Anschlussbauteilen aus brennbaren Baustoffen wird das Randprofil mit Gipsplatten in Beplankungsdicke hinterlegt.
Sonderfall Stahlträger
Ungeschützter Stahl verliert ab etwa 500 Grad deutlich an Tragfähigkeit. Je nach Profil ist diese Temperatur im Brandfall schon nach wenigen bis rund 15 Minuten erreicht. Bindet ein Stahlträger in eine F90-Konstruktion ein, wird er verkleidet.
Üblich ist eine Kastenverkleidung aus Brandschutzplatten, die den Träger auf allen freiliegenden Seiten umschließt. Je nach Profilfaktor (U/A-Wert) sind zwei oder mehr Lagen nötig, das rechnet ein Brandschutzplaner aus. Die Trägerbekleidung muss bei Knauf mindestens eine Klasse höher sein als die Trennwand, also F120 bei einer F90-Wand. Als grober Richtwert gelten 140 bis 195 Euro pro Quadratmeter Verkleidungsfläche.
Bestandswände aufrüsten
Nicht jede Wand muss neu gebaut werden. Bestehende Metallständerwände mit Gipsplatten lassen sich mit einer zusätzlichen Beplankung aus Fireboard in eine höhere Klasse bringen. Knauf bietet dafür Aufrüstungen von F30 auf F60 und F90 an, einseitig oder beidseitig je nach Ausgangsaufbau. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Bestandswand die Anforderungen der DIN 4103-1 erfüllt. Bei Sanierungen lohnt sich die Frage nach dem vorhandenen Aufbau, weil sie einen Neubau der Wand sparen kann.
Durchführungen: Schotts, Klappen und Türen
Jede Leitung, jedes Rohr und jeder Kabelstrang, der eine F90-Wand durchdringt, braucht ein bauaufsichtlich zugelassenes Brandschutzschott. Ohne Schott ist die Wand keine F90-Wand mehr, egal wie sorgfältig der Rest ausgeführt wurde.
| Durchführung | Lösung | Richtpreis je Stück 2026 |
|---|---|---|
| Einzelkabel, Kabelbündel (einfach) | Kabelschott, Brandschutzmanschette oder Schaum | 50 bis 150 € |
| Kunststoffrohr | Rohrabschottung mit Brandschutzmanschette | 150 bis 350 € |
| Metallrohr | Rohrschott | 100 bis 250 € |
| Kombi- oder Großschott | Kombiabschottung | 200 bis 600 € und mehr |
| Lüftungskanal | Brandschutzklappe (K90) | 150 bis 400 € |
| Tür in der Wand | Brandschutztür T30 | 400 bis 900 € montiert |
| Tür in der Wand | Brandschutztür T90 | 800 bis 1.800 € montiert |
Zu den Türen gilt: Öffnungen in Brandschutzwänden sind nur mit passendem Feuerschutzabschluss zulässig. In einer feuerbeständigen Trennwand darf je nach Landesrecht und Brandschutzkonzept eine T30-Tür eingebaut werden. Das entscheidet das Brandschutzkonzept, nicht der Handwerker.
Steckdosen und Schalter in der Wand
Auch Einbaudosen schwächen eine Brandschutzwand. Die Hersteller geben dafür feste Regeln vor:
- Dosen dürfen nicht unmittelbar gegenüber auf beiden Wandseiten sitzen.
- Einzelne Leitungen dürfen durch die Beplankung geführt werden, die verbleibende Öffnung wird mit Gipsmörtel verschlossen.
- Dosen werden mit Gipsmörtel (mindestens 30 Millimeter Bett) umhüllt, mit Gipsplatten umbaut oder mit Plattenstreifen beziehungsweise zusammengedrückter Mineralwolle gesichert. Die Dämmung darf dabei auf mindestens 30 Millimeter gestaucht werden.
- Bei höherem Schallschutz ab etwa 60 dB sind Sonderlösungen nötig.
Die brandschutzgerechte Leitungsverlegung ist ein Fall für Elektriker mit Erfahrung in Brandschutzwänden.
Brandschutzdecke: F30, F60 und F90
Wände trennen horizontal, Decken vertikal. Eine Brandschutzdecke verhindert, dass Feuer über die Geschossdecke nach oben schlägt. Dabei gibt es zwei Konstruktionsarten, die sich in den Anforderungen unterscheiden:
- Unterdecke allein klassifiziert: Die abgehängte Decke erfüllt die Klasse für sich, unabhängig von der Rohdecke. Das braucht meist mehr Plattenlagen.
- Unterdecke in Verbindung mit einer Rohdecke: Die Rohdecke (zum Beispiel Stahlbeton) trägt einen Teil des Feuerwiderstands, die Unterdecke ergänzt ihn. Das geht oft mit weniger Aufwand.
Außerdem wird unterschieden, ob das Feuer von unten, von oben (aus dem Deckenzwischenraum) oder von beiden Seiten angreifen kann.
Aufbauten aus den Herstellertabellen
Das System Knauf D116 zeigt beispielhaft, wie stark der Aufbau schwankt:
| Anforderung | Aufbau (Beispiel Knauf D116) |
|---|---|
| F30 in Verbindung mit Rohdecke, Brand von unten | 1 x Diamant 15 mm, Abhängehöhe mindestens 40 mm |
| F30 als Unterdecke allein, Brand von unten | 2 x GKF 12,5 mm auf CD-Profilen |
| F90 als Unterdecke allein, Brand von unten | 2 x Fireboard 20 mm auf CD-Profilen |
Die Zahlen sind Beispiele. Verbindlich ist immer der Verwendbarkeitsnachweis des gewählten Systems, inklusive Abhängern, Profilabständen und Randanschlüssen.
Typische Fallstricke
- Abhänger und Profilabstände sind Teil der Prüfung. Wer andere Abhänger oder größere Abstände nimmt, verlässt das System.
- Einbauleuchten: Jede Öffnung in der Beplankung braucht eine geprüfte Abdeckung oder Brandschutzhaube, sonst ist die Klassifizierung dahin.
- Randanschluss: Zwischen Deckenbeplankung und Wand gehört eine geschlossene Fuge, keine offene Schattenfuge.
- Wandanschlüsse: Wände mit Brandschutzanforderung dürfen nur an Unterdecken anschließen, die selbst mindestens dieselbe Klasse haben, und der Deckenzwischenraum muss horizontal ausgesteift sein.
Kosten für Brandschutzdecken
Eine normale abgehängte Gipskartondecke kostet 2026 etwa 50 bis 90 Euro pro Quadratmeter. Brandschutzdecken liegen deutlich darüber:
| Deckenklasse | Richtwert 2026 inkl. Montage |
|---|---|
| F30 | 65 bis 95 € pro m² |
| F60 | 100 bis 140 € pro m² |
| F90 | 140 bis 195 € pro m² |
Bei Sanierungen im Bestand können die Kosten um 30 bis 50 Prozent steigen, weil die alte Unterdecke demontiert, Anschlüsse nachgearbeitet und Gewerke koordiniert werden müssen. Ein Klinikflur mit 100 Quadratmetern Deckenfläche landet in F90 bei rund 14.000 bis 19.500 Euro. Die Preise für Brandschutzdecken schwanken stark mit dem System. Hole für die Decke mindestens zwei objektbezogene Angebote ein.
Wenn Brandschutz und Schallschutz zusammenkommen
Häufig ist dieselbe Wand sowohl brandschutz- als auch schallschutzpflichtig, etwa eine Wohnungstrennwand im Mehrfamilienhaus. Nach DIN 4109-1 muss eine Wohnungstrennwand ein bewertetes Schalldämm-Maß von mindestens 53 dB erreichen. Die gute Nachricht: Brand- und Schallschutz widersprechen sich nicht, sie ergänzen sich.
Mehr Masse hilft beiden Zielen. Eine F90-Wand mit zwei Lagen GKF und Mineralwolle erreicht je nach Profil Rechenwerte von etwa 54 bis 57 dB. Mit hochdichten Platten und größeren Profilen steigen die Werte auf bis zu 67 dB, mit einer F90-Doppelständerwand auf 64 bis 71 dB. Eine Wand mit 53 dB Anforderung ist mit einem durchdachten F90-System also gut erreichbar.
Umgekehrt gilt das nicht automatisch: Eine schalloptimierte Wand mit Federschienen ist nicht allein dadurch brandschutzklassifiziert. Entkopplungselemente dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie Teil des geprüften Brandschutzsystems sind. Auch die Dämmung muss beides erfüllen, also Baustoffklasse A mit hohem Schmelzpunkt und gleichzeitig den passenden Strömungswiderstand für die Akustik.
Welcher Wandaufbau welchen Schalldämmwert erreicht, steht ausführlich im Ratgeber zum Schallschutz im Trockenbau. Wer beides braucht, plant zuerst den Brandschutz und optimiert dann innerhalb der zugelassenen Varianten auf Schalldämmung.
Die häufigsten Ausführungsfehler
- Standard-Gipskarton statt GKF: Der teuerste Fehler überhaupt, weil er die komplette Neuausführung erzwingt. Prüfe bei der Anlieferung den Aufdruck auf der Plattenrückseite.
- Fehlender Fugenversatz: Deckungsgleiche Fugen über mehrere Lagen bilden einen durchgehenden Kanal für Hitze.
- Ungespachtelte Fugen in den verdeckten Lagen: Sie müssen bei mehrlagiger Beplankung gefüllt werden, sonst gilt der Nachweis nicht.
- Falsche Dämmung: EPS oder Dämmstoffe mit niedrigem Schmelzpunkt statt nichtbrennbarer Steinwolle.
- Lücken in der Dämmung: Besonders über Türstürzen, in Randbereichen und hinter Installationen.
- Ungeschottete Durchführungen: Ein einzelnes nachträglich gebohrtes Kabelloch hebt die Klassifizierung auf.
- Gegenüberliegende Steckdosen: Sie schwächen die Wand an genau einer Stelle auf beiden Seiten.
- Offene Anschlussfugen: An Boden, Decke und angrenzenden Bauteilen muss fugenlos angeschlossen werden. Reines Acryl genügt bei Brandschutzanforderungen nicht.
- Wand ohne Deckenanschluss: Brandschutzwände müssen bis zur Rohdecke reichen.
- Zu große Schraubenabstände: Bei der obersten Lage über 25 Zentimeter fehlt die nötige Anpresskraft.
- Zu hohe Wand für das System: Wandhöhen über der Tabelle des Herstellers sind nicht abgedeckt.
- Systemmix: Platten von Hersteller A, Profile von Hersteller B und Dämmung von Hersteller C ergeben kein zugelassenes System, auch wenn jedes Teil für sich geeignet wäre.
- Fehlende Dokumentation: Ohne Fotos der verdeckten Schichten kannst Du gegenüber Bauaufsicht und Versicherung nichts nachweisen.
Nachweis, Genehmigung und Haftung
Wie der Nachweis funktioniert
Die Feuerwiderstandsklasse gilt immer für das gesamte geprüfte System, nicht für einzelne Bauteile. Der Nachweis läuft in der Regel über eines dieser Dokumente:
- DIN 4102-4: Die Norm ist über die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) bauaufsichtlich eingeführt und enthält klassifizierte Standardkonstruktionen.
- Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG): Sie ersetzt seit der Umstellung des Bauordnungsrechts die frühere allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Bauarten.
- Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP): üblich für nichttragende Trennwände.
Nach dem Einbau stellt das ausführende Fachunternehmen eine Übereinstimmungserklärung aus. Darin bestätigt es, dass es die Wand gemäß Nachweis ausgeführt hat. Sie ist nicht dasselbe wie die Fachunternehmererklärung aus der VOB. Bei der Abnahme verlangt die Bauaufsicht diese Dokumente häufig. Fotos der verdeckten Lagen und ein Verzeichnis der verwendeten Materialien (mit Systemnummer) gehören in die Doku.
Genehmigung
Änderungen an brandschutzrelevanten Bauteilen sind in aller Regel genehmigungspflichtig. Das gilt besonders für Wände zwischen Brandabschnitten und für tragende Bauteile. Kläre das vor Baubeginn mit der zuständigen Bauaufsichtsbehörde. Bei Sonderbauten oder großen Projekten verlangen die Bauordnungen ein Brandschutzkonzept, und ein Brandschutzsachverständiger kostet je nach Projekt grob 1.500 bis 6.000 Euro.
Eigenleistung
Rechtlich darfst Du im eigenen Gebäude selbst bauen. Praktisch fehlt dann aber die Übereinstimmungserklärung, weil sie ein Fachunternehmen ausstellt. Hersteller binden die Zulassung zudem an die fachgerechte Ausführung. Im Schadensfall kann das erhebliche Folgen haben. Ab F60 solltest Du deshalb einen zertifizierten Fachbetrieb beauftragen.
Über anyhelpnow findest Du Trockenbauer, die auf Brandschutzkonstruktionen spezialisiert sind. Für die brandschutzgerechte Leitungsverlegung und die Schottung von Durchführungen vermittelt die Plattform außerdem Elektriker mit entsprechender Erfahrung.
Kostenübersicht für ein konkretes Projekt
Wandflächen im Vergleich
Rechenbeispiel für 100 Quadratmeter Wandfläche inklusive Material und Montage:
| Ausführung | Kosten gesamt | Zusätzlich |
|---|---|---|
| F30 | 5.500 bis 9.500 € | Schottungen nach Bedarf |
| F60 | 8.000 bis 13.000 € | Schottungen, ggf. Brandschutztür |
| F90 | 10.000 bis 17.000 € | Schottungen, Klappen, ggf. Stahlverkleidung |
Beispiel: Büroflur mit F90-Wänden
Ein Flur mit 30 Metern Wandlänge und 2,80 Metern Höhe hat 84 Quadratmeter Wandfläche. Dazu kommen zwei T30-Türen, zehn Kabelschotts und drei Rohrschotts für Kunststoffrohre:
| Position | Menge | Kosten |
|---|---|---|
| F90-Wand | 84 m² | 8.400 bis 14.280 € |
| T30-Türen, montiert | 2 Stück | 800 bis 1.800 € |
| Kabelschotts | 10 Stück | 500 bis 1.500 € |
| Rohrschotts Kunststoff | 3 Stück | 450 bis 1.050 € |
| Summe | rund 10.150 bis 18.630 € |
Nicht enthalten sind Planung, Brandschutzkonzept, Gerüst und Malerarbeiten. Bei Sonderbauten kommt der Brandschutzsachverständige dazu.
Checkliste vor der Beauftragung
- Klasse klären: Welche Feuerwiderstandsklasse verlangt die Landesbauordnung oder das Brandschutzkonzept an dieser Stelle?
- System festlegen: Welcher Hersteller, welche Systemnummer, welcher Verwendbarkeitsnachweis?
- Schnittstellen prüfen: Decke, Boden, Türen, Klappen, Leitungen. Wer schottet was ab?
- Wandhöhe abgleichen: Liegt die Höhe im zulässigen Bereich der Systemtabelle?
- Dokumentation vereinbaren: Übereinstimmungserklärung, Fotos der verdeckten Lagen und Materialliste gehören in den Auftrag.
- Angebote vergleichen: Mehrere Angebote mit Systemangabe, ausgewiesener Mehrwertsteuer und Leistungsumfang einholen.
Häufige Fragen zum Brandschutz im Trockenbau
Wie sieht der Aufbau einer F90-Trockenbauwand aus?
Zwei Lagen GKF-Platten zu je 12,5 Millimeter auf jeder Wandseite, dazwischen ein CW-Ständerwerk mit 50, 75 oder 100 Millimeter. Die Gesamtdicke beträgt 100 bis 150 Millimeter. Eine Mineralwolle im Hohlraum ist bei vielen Systemen brandschutztechnisch nicht erforderlich, wird aber aus Schallschutzgründen fast immer eingebaut und muss dann nichtbrennbar sein.
Braucht eine F90-Wand drei Plattenlagen?
Nein. Die gängigen Herstellersysteme erreichen F90-A mit zwei Lagen Feuerschutzplatte je Wandseite. Drei Lagen kommen bei Sonderlösungen zum Einsatz, etwa für höhere Wände oder mehr Schallschutz. Welcher Aufbau zulässig ist, steht in der Systemzulassung.
Was unterscheidet den F30- vom F90-Aufbau?
Vor allem die Plattenlagen: eine Lage GKF je Seite bei F30, zwei bei F90. Dazu kommen bei F90 strengere Regeln für Fugenversatz, Schraubenabstände und Anschlüsse. Die Kosten liegen bei F90 etwa 45 bis 75 Euro pro Quadratmeter höher.
Wie dick ist eine F90-Wand?
Je nach Profil zwischen 100 und 150 Millimetern: 100 Millimeter mit CW 50, 125 Millimeter mit CW 75, 150 Millimeter mit CW 100, jeweils mit zwei Lagen 12,5 Millimeter GKF je Seite. Doppelständerwände sind mit etwa 155 Millimetern und mehr dicker.
Kann ich normale Gipskartonplatten für eine Brandschutzwand verwenden?
In der Regel nein. Erforderlich sind Feuerschutzplatten (GKF, Typ DF), erkennbar am Aufdruck und meist an der rötlichen Kartonfarbe. Standardplatten sind nur in bestimmten, ausdrücklich zugelassenen Systemen erlaubt, zum Beispiel in einer F30-Wand mit zwei Lagen. Sie sind kein Ersatz für GKF in einer F90-Wand.
Was kostet eine F90-Wand pro Quadratmeter?
Material und Montage zusammen etwa 100 bis 170 Euro pro Quadratmeter, in der Marktstreuung 2026 sind auch 80 bis 220 Euro zu finden. Bei 100 Quadratmetern Wandfläche sind das 10.000 bis 17.000 Euro, zuzüglich Schottungen für Durchführungen und Mehrwertsteuer, soweit sie nicht enthalten ist.
Wie hoch darf eine F90-Trockenbauwand sein?
Das hängt vom System ab. Mit Brandschutz liegen die zulässigen Wandhöhen typischerweise zwischen 4 und 7 Metern, bei dreilagigen Systemen und größeren Profilen auch darüber. Rigips nennt für EI-90-Wände bis 7,2 Meter. Die genaue Höhe steht in der Tabelle des gewählten Systems.
Wie ist eine F30-Decke aufgebaut?
Das hängt davon ab, ob die Unterdecke für sich allein klassifiziert ist oder in Verbindung mit einer Rohdecke. In Verbindung mit einer Betonrohdecke genügt bei Knauf D116 zum Beispiel eine Lage Diamant 15 Millimeter, als Unterdecke allein sind es zwei Lagen GKF 12,5 Millimeter. Einbauleuchten brauchen geprüfte Abdeckungen, der Randanschluss muss geschlossen ausgeführt werden. Kosten etwa 65 bis 95 Euro pro Quadratmeter.
Was kostet eine Brandschutzdecke in F90?
Rund 140 bis 195 Euro pro Quadratmeter inklusive Montage. Dazu kommen Brandschutzklappen und Schotts für Leitungsdurchführungen. Bei Nachrüstungen im Bestand können die Kosten um 30 bis 50 Prozent höher liegen.
Brauche ich für eine F90-Wand eine Baugenehmigung?
In der Regel ja. Änderungen an brandschutzrelevanten Bauteilen, insbesondere an Wänden zwischen Brandabschnitten, sind genehmigungspflichtig. Kläre das vor Baubeginn mit der Bauaufsichtsbehörde.
Muss ein Fachbetrieb die Brandschutzwand ausführen?
Rechtlich nicht in jedem Fall. Praktisch fehlt bei Eigenleistung aber die Übereinstimmungserklärung, die ein Fachunternehmen ausstellt, und der Systemnachweis des Herstellers. Ab F60 ist ein zertifizierter Betrieb dringend zu empfehlen.
Was ist der Unterschied zwischen F90-Trennwand und Brandwand?
Eine Brandwand muss zusätzlich eine mechanische Beanspruchung aushalten (F 90-A + mB beziehungsweise EI 90-M). Im Trockenbau gibt es dafür eigene Systeme mit Stahlblecheinlage. Eine normale F90-Trockenbauwand ist keine Brandwand und darf nicht anstelle einer solchen eingesetzt werden.
Wie erkenne ich, welche Klasse eine bestehende Wand hat?
Rötliche Platten und mehrlagige Beplankung sind Hinweise, aber kein Nachweis. Sicherheit gibt nur die Bauakte oder die Prüfung durch einen Sachverständigen. Bei Zweifeln vor einem Umbau immer prüfen lassen.
Fazit
Der Unterschied zwischen den Klassen liegt vor allem in der Anzahl der Plattenlagen, bei F30 eine, bei F90 zwei. Der Unterschied zwischen einer funktionierenden und einer wertlosen Brandschutzwand liegt dagegen in der Ausführung.
Drei Dinge entscheiden: das durchgängig eingesetzte Systemmaterial eines Herstellers, der Fugenversatz zwischen allen Lagen und die vollständige Schottung jeder Durchführung. Wer an einer dieser Stellen improvisiert, hat eine teure Wand ohne Klassifizierung gebaut.
Klär deshalb vor der Materialbestellung zwei Fragen: Welche Klasse verlangt die Bauordnung an dieser Stelle, und welches Herstellersystem soll durchgängig verwendet werden? Alles Weitere ergibt sich aus dem Verwendbarkeitsnachweis. Bei den Preisen gilt 2026 mehr denn je: mehrere Angebote mit Systemangabe einholen.
Quellen und Stand
Stand der Recherche: Oktober 2026. Preise sind Richtwerte und schwanken je nach Region, System und Auftragsumfang.
- Statistisches Bundesamt: Baupreise für Wohngebäude im Mai 2026 (Pressemitteilung vom 10. Juli 2026)
- Deutsches Institut für Bautechnik: Allgemeine Bauartgenehmigung Z-19.32-2157 für F-60-Trennwände mit fermacell Gipsfaserplatten (Bescheid vom 10. November 2025)
- Knauf: Detailblatt W11.de Metallständerwände (Ausgabe 08/2015) sowie W13.de Metallständerwände anstelle von Brandwänden
- Rigips: Feuerwiderstandsklassen im baulichen Brandschutz
- BauNetzWissen: Trennwände im Brandschutz
- IFS: Brandursachen-Statistik 2024 (über FeuerTrutz)
- FeuerTrutz: Analyse der Brandtotenentwicklung in Deutschland
Hinweis: Die Systemangaben in diesem Artikel ersetzen keine Planung. Verbindlich sind immer der Verwendbarkeitsnachweis des gewählten Systems, die Landesbauordnung und das Brandschutzkonzept des Objekts.
Trockenbau professionell anfragen?
Unsere Profis unterstützen Sie bei Trockenbau – schnell, zuverlässig und passend zu Ihrem Projekt. Anfrage in 2 Minuten stellen.
Anfragen✓ Kostenlos ✓ Unverbindlich ✓ In 2 Minuten